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Verspannt, blockiert, gestresst - Einsatz für die Pferdetherapeutin

Gegen den Schmerz - Ursachensuche

Wie beim Menschen kann eine verspannte Muskulatur beim Pferd Ursache für Schmerzen und Dysfunktionen sein. Ein Tritt von der Leitstute gegen die Brust, ein drückender Sattel, ein gegen Wind und Wetter empfindlicher Rücken - all das können Auslöser für Überlastungen sein, die dazu führen, dass sich in der Skelettmuskulatur sogenannte Hartspannstränge bilden.

Kommt wieder Druck auf die Stelle oder eine mechanische Belastung, wird es schmerzhaft für das Pferd. Dann merken wir als Reiter oder auch bei der Arbeit am Boden mit unserem Pferd, dass etwas nicht stimmt, es läuft nicht "rund", macht nicht motiviert mit, geht nur ungern vorwärts oder bergab.

Um die Schmerzursache zu finden und zu beseitigen, arbeiten Im besten Falle Tierarzt, Sattler und Therapeuten so optimal zusammen, dass dem Pferd bald wieder eine unbeschwerte Bewegung, auch unter dem Reiter, ermöglicht wird. So haben wir in der Tierklinik bei Dynamic zuerst einen schmerzenden Zahn operativ entfernt, dann kam der Sattler zum Einsatz und stellte fest, dass mein gut zehn Jahre alter Sattel sich arg gesenkt hat und den Muskelaufbau im vorderen Rückenbereich verhindert. Um hieraus resultierende Blockaden und Verspannungen (auch durch alte Traumata und die Integration in die neue Herde) zu lösen, haben mir Tierarzt und Sattler empfohlen: Die Pferdephysiotherapeutin muss ran.

Qualität vor Quantität

Die Skepsis einiger Pferdebesitzer gegenüber dem "Heilen mit den Händen" kann ich nachvollziehen - es liegt wohl einfach daran, dass das Feld der Pferdephysiotherapeuten, Osteopathen und Chiropraktiker recht undurchsichtig ist. Es gibt keine einheitliche Qualifikation - wie bei den Veterinären, sondern viele unterschiedliche Ausbildungsmöglichkeiten. Letztendlich schaden die wenigen "Quacksalber" unter den oft sehr kundigen und gut ausgebildeten Pferdetherapeuten dem Ruf der Profession und wer schon einmal auf so jemaden hereingefallen ist (mich nicht ausgeschlossen), ist natürlich vorsichtiger geworden. Ausmachen kann man solche Leute meist daran, dass sie einem teure und häufige Behandlungen aufschwatzen wollen und sehr penetrant nachfragen, wenn man nicht darauf eingeht. Der Effekt am Pferd zur Problemlösung ist häufig - keiner bis sehr gering ausgeprägt.

Zum Glück gibt es Empfehlungen unter Pferdebesitzern, auf die man sich verlassen kann - und so kam ich zu Anke Kümpel, die neben ihrer ausgeglichenen Art auch jede Menge Expertise auf dem Gebiet der Schmerztherapie mitbrachte. Nach ihrer Fachausbildung an der Paracelsus-Schule in Leipzig bildet sie sich bis heute kontinuierlich zu neuen Behandlungsmethoden weiter - immer auf der Suche nach innovativen Lösungen. An ihren beiden eigenen Westernpferden testet sie gern mal, was funktioniert und lernt beständig dazu.

Ankes eigene Pferde sind im Westernbereich aktiv

Dass Anke einen Spürsinn für die Stimmung von Pferden hat, merkt man gleich im Umgang mit ihren Patienten. Dynamic zeigt sehr deutlich, wenn ein Schmerzpunkt getroffen wird und reagiert äußerst sensibel. Unsere letzte Therapeutin wurde bei der manuellen Therapie dann oft ungehalten und hektisch - keine gute Kombination. Für das Pferd und mich war jede Thearpiestunde ein Kraftakt, von dem wir uns erst wieder erholen mussten. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich dafür keine 120 Euro mehr ausgeben wollte.

Als Anke nun vorschlug, das sogenannte Dry Needling anzuwenden, um die betroffenen Muskelpartien wieder beweglicher zu machen, war ich sehr skeptisch, ob das so einfach bei Dynamic funktionieren würde... Denn die Akupunkturnadel wird dabei direkt in den Hartspannstrang gesetzt (und nicht in ausgewählte Akupunkturpunkte). Der Muskel reagiert in den meisten Fällen mit einer lokalen Zuckungsantwort. Diese Zuckung sei wichtig, da dabei Heilungsprozesse ausgelöst werden und wird teilweise als leicht unangenehm empfunden, erklärte mir die Therapeutin. Durch das Verletzen kommt es zum Einbluten und es wird eine lokale Verbesserung der Durchblutung erzielt. Schließlich entspannt sich die Muskulatur und der Schmerz wird reduziert.

Das klang alles so, als würde Dynamic darauf recht heftig reagieren - im schlimmsten Fall mit Wegspringen oder gezieltem Treten. Denn die ziemlich lange Nadel musste direkt in den Bereich, wo es ihr sowieso schon weh tat. Unter anderem wollte Anke sie direkt auf der Kruppe setzen - das war nur möglich, wenn sie sich neben dem Hinterbein positionierte. Ich wartete gespannt und angespannt, um im Zweifelsfall das Pferd von Anke wegbewegen zu können. Aber kaum war die Nadel drin, spürte ich - Erleichterung! Und zwar nicht nur bei mir, sondern vor allem bei Dynamic. Sie wippte etwas mit der Hinterhand hin und her, um dann den Kopf zu senken und sich zu entspannen. Anke hatte wohl den richtigen Punkt getroffen.

Wieder beweglicher

Nach gut zwei Stunden waren alle Trigger-Punkte mit Dry Needling behandelt und ein komplett entspanntes Pferd genoss die abschließenden Massagen. Um neue kleine Verspannungen auch selbst massieren zu können, gab Anke mir den Tipp, die Faszienrolle von rollart zu verwenden: www.rollart.com/pferde

Sie sagte mir auch, ich würde erste Verbesserungen in der Bewegung an der Longe schon wenige Tage nach der Behandlung sehen können. Und wirklich - locker und losgelassen trabte und galoppierte Dynamic um mich herum. Vorher war es ein Überredungsakt gewesen, sie überhaupt in dynamischen Trab oder sogar Galopp zu bekommen - oft parierte sie von selber durch oder lief sehr steif um die Kurve.

Dass ich nach nur wenigen Wochen Aufbauarbeit im Gelände und am Boden in meinem Training unter dem Sattel nun wieder genau da anknüpfen konnte, wo ich vor einem Jahr aufgehört hatte, ist also zu einem großen Teil der innovativen und umsichtigen Behandlung von Anke Kümpel zu verdanken. Ich habe sie natürlich gleich anderen Pferdebesitzern im Stall weiterempfohlen, die auf Ursachensuche für unrunde Bewegungen bei ihren Vierbeinern waren. Im September werde ich mit Anke eine weitere Session Dry Needling einlegen - dann bekommt Dynamic ihren neuen Sattel und mein Sattler achtet immer sehr darauf, dass das Pferd vorher verspannungsfrei im Rücken ist. Ich denke, Dynamic freut sich schon auf ihre Wellness-Einheit mit den langen Nadeln ;-)

Wer mehr über Anke Kümpel und ihre Therapiemethoden bzw. Ausbildung wissen will, hier entlang: http://www.pferdetherapie-leipzig.de

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Kommentare

Kommentar von Sina |

diese erfahrung haben wir bei uns im stall auch gemacht bei mehreren pferden und sind immer noch sprachlos und begeistert


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