Springreiten mit Respekt: Luca Maria Moneta

Verwunderte Blicke am Abreitplatz, wo die Teilnehmer für das Weltcup-Springen bei der Partner Pferd in Leipzig ihre Pferde aufwärmen. "Was macht der Mann da?", fragt eine Zuschauerin ihre Nachbarin. Während die Mehrheit der Springprofis ihre Vierbeiner aufgetrenst oder mit Kappzaum an der Longe laufen lässt, derweil in der Mitte stehen und gelangweilt schauen oder auf ihr Handy starren, hat ein drahtiger, kleiner Italiener sein temperamentvolles Pferd an einem langen Seil und nur mit Strickhalfter in die Halle geführt. In sicherer Entfernung zu den klassisch arbeitenden Kollegen beginnt er mit dem ziemlich nervös wirkenden Pferd eine Art Spiel. Regt er sich auf, lässt er ihn in einem größeren Abstand von sich traben oder galoppieren, holt ihn aber nach ein paar Minuten immer wieder wie durch ein unsichtbares Band zu sich in die Mitte und streichelt seinen Kopf, die Flanken, legt ihm die Hand auf die Kruppe. Nach ungefähr zehn Minuten sieht man, wie das Pferd sich entspannt, den Kopf nach unten streckt und abschnaubt. Bald läuft es mit durchschwingenden Bewegungen, schaut sich die Besucher an und lässt sich anfassen, schnuppert am Equipment in der Halle, blickt interessiert umher und wirkt sehr relaxt. Nicht so, als wäre es gerade in einer lauten Turnierhalle mit vielen fremden Pferden, sondern eher so als grase es auf der Koppel mit seiner Herde. Als sich eines der Longenpferde so erschrickt, dass es einen Teil der Seitenwand einreißt, die den Abreitplatz begrenzt, schaut das Pferd mit dem Strickhalfter nur überrascht zur Seite und konzentriert sich dann wieder auf den Mann am anderen Ende des Seils.

Da wir ihn vor ein paar Stunden im Parcours gesehen haben, wie er beim ersten Zeitspringen des Turniers in Führung ging, ist uns bald klar, dass dieser Mann nicht irgendein Guru oder Spinner ist, sondern einer, der auf andere Art seit Jahren ganz oben mitreitet. Dass das nicht immer so einfach war, wird er uns später im Gespräch berichten. Luca Maria Moneta, seit den Olympischen Spielen auch als "Carrot Man" bekannt, ist der einzige Weltklasse-Springreiter, der mit alternativen Methoden wie dem Natural Horsemanship versucht, eine tiefere Bindung zu seinen Sportpferden während des Trainings und in den Prüfungen aufzubauen. Dass er seine Pferde nach jeder Parcoursrunde mit einer Möhre belohnt, kann man belächeln und als PR-Gag abtun - allerdings ist es Luca Moneta mit einer Verbesserung des Springtrainings aus Sicht der Pferde durchaus ernst. Wie gut sich die Methoden von Pat Parelli dafür eignen, die Aufmerksamkeit des Pferdes für sich zu gewinnen, das zeigt Moneta schon seit über zehn Jahren als Botschafter im Parcours und in Lehrgängen.

Mentale Verbindung zum Pferd erhalten

Im Norden Italiens, nahe Milano, gibt Luca Moneta diese in seinem Reitcenter. Dort stehen 17 Pferde, darunter auch der Hengst, mit dem er in Leipzig glänzte: Neptune Brecourt, ein Selle Francais - sehr temperamentvoll und durchaus nicht einfach zu reiten. Ein Merkmal fast aller seiner Springpferde - denn auch seine Sponsoren erkannten, dass er mit seiner Methode des Natural Horsemanship Pferde zu Höchstleistungen motivieren kann, die andere Reiter schon aufgegeben haben. Bis dahin war es aber ein steiniger Weg, wie Luca Moneta uns bei einem Treffen auf der Partner Pferd erzählt. "Als ich mit dem Reiten anfing, suchte ich nach einer Verbindung zu den Pferden. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen in Kontakt mit Pferden kommen wollen, ob sie später einmal Berufsreiter werden oder nicht. Irgendwo auf dem Weg zum Erfolg änderte ich dann mein Ziel, und die Verbindung geriet in den Hintergrund. Der Druck im Profisport ist sehr hoch und als ich den neuen Weg des Horsemanship ausprobieren wollte, verlor ich dadurch einige Sponsoren und somit auch Pferde. Das war hart aber ich habe mich zum Glück nie selbst verloren." Heute sei seine Reputation durch nachweisbare Erfolge wiederhergestellt, sagt Moneta. Trotzdem fühlt er sich immer noch als Außenseiter in der Szene, von dem ein oder anderen skeptisch beäugt.

Neue Wege im Profisport

"Was unterscheidet Horsemanship von anderen Trainingsmethoden?", wollen wir wissen. Zuerst einmal sei es mehr eine Einstellung zum Pferd, ist die Antwort des Italieners. Sie umfasse alles, nicht nur das Training. Und könne eben für das Springen besonders gut eingesetzt werden - denn hier kommt es nicht nur wie in der Dressur darauf an, dass das Pferd Aufgaben lösen kann. "Im Parcours hängt viel vom Verstand des Pferdes ab, es muss in der Lage sein, auch allein Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn es etwas gerade schwierig oder gar nicht versteht, wird ein Pferd mir mehr anbieten und geben, wenn ich durch das Horsemanship sein Vertrauen gewonnen habe.", so Lucas Erfolgsrezept.

Er würde sich freuen, wenn auch in der Springszene bald neue Wege offen wären und der Respekt vor der Natur des Pferdes zunehme, sagt Luca Moneta. Viele Reiter hätten charakterlich sehr starke Pferde, gerade die Deutschen. Mit solchen Pferden zu arbeiten ist ein Traum, den er für sich gern noch verwirklichen würde. Wir finden es hingegen viel spannender, wie Luca Moneta es mit Natural Horsemanship schafft, aussortierte und als teilweise unreitbar geltende Pferde für den Profisport zu motivieren. Seine Einladung, ihn im Sommer in seinem Reitcenter zu besuchen und über die Schulter zu schauen, nehmen wir daher sehr gerne an!

Zurück

Kommentare

zu diesem Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden

Einen Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie angemeldet sein.