Serie Aktivställe: Neue Konzepte im Hippo-Sport-Club

JH: Wie ist die aktuelle Ausrichtung des Hippo-Sport-Clubs in punkto Pferdehaltung?

Nancy Noack: Wir haben den Anspruch, die Pferde ganztägig draußen zu halten. Der ausschlaggebende Punkt war vor einigen Jahren, dass eines unserer Pensionspferde Husten bekam und wir uns fragten, ob es nicht besser ist, das Pferd 24 Stunden draußen zu halten. Da haben wir den ersten Paddock gebaut und uns damit beschäftigt, was man an Unterstell- und Liegefläche benötigt. Mittlerweile wurde das immer mehr ausgebaut – vor allem, weil wir wissen, dass der Pferdebesitzer an sich es nicht häufiger als zwei bis drei Stunden am Tag schafft, sein Pferd zu beschäftigen. Also steht das Pferd den Großteil des Tages herum – mit relativ wenig Bewegung und Abwechslung. Daher haben wir angefangen, die Paddockflächen zu vergrößern und die Herdenhaltung zu favorisieren. Wir haben zwei Wallachherden und eine gemischte Herde mit Wallachen und Stuten. Die Pferde gehen zwischen 7 und 8 Uhr früh raus auf die Weide und werden ca. 14:00 Uhr auf die Paddocks gebracht. Die in Boxen gehaltenen Pferde werden ca. 18 Uhr abends wieder in den Stall geholt. Im Winter gehen sie auf Gemeinschafts-Paddocks. Der Großteil unserer 24 Pferde steht daher mittlerweile nicht mehr in der Box. Leider haben wir momentan von der Platzkapazität her nicht die Möglichkeit, allen Pferden die Offenstallhaltung zu ermöglichen. Aber wenn wir auf die letzten Jahre zurückblicken, freuen wir uns schon über das, was wir bisher alles erreicht haben und wollen da auch gerne weitermachen.

JH: Was müssen Interessenten beachten, die ihr Pferd zu euch stellen wollen?

Nancy Noack: Da die Tendenz bei den Interessenten immer mehr in Richtung Offenstallhaltung geht, haben wir gerade eine relativ große Warteliste, auf der derzeit alle Plätze belegt sind. Wir telefonieren die Liste immer wieder ab, wenn ein Platz frei wird – es macht also durchaus Sinn, sich darauf setzen zu lassen, wenn man langfristig etwas Neues sucht. Uns ist außerdem wichtig, dass von den Einstellern verstanden wird, dass wir eine Gemeinschaft sind, zu der jeder seinen Beitrag leisten sollte. Wir sind also kein reiner Pensions- oder Dienstleistungsstall. Wir sind ein Verein. Wir haben regelmäßige Arbeitseinsätze zur Koppel- und Platzpflege, ungefähr sechs bis acht im Jahr. Diese machen auch immer viel Spaß, da jeder seine verschiedenen Fähigkeiten beitragen kann. Geplant ist, in Zukunft daran auch Vereinsfeste anzuknüpfen. Außerdem bilden sich im Verein auch kleinere Arbeitsgruppen, die zum Beispiel ein Konzept zur weiteren Offenstallhaltung ausarbeiten und schauen, was wir noch verbessern können. Aktuell haben wir eine zweite Futterraufe für den großen Paddock gebaut, um wieder mehr Bewegung in die Pferdeherde hineinzubekommen.

JH: Der Anspruch an eine moderne Pferdehaltung im Offenstall ist auch, den Tieren 24 Stunden am Tag Heu zur Verfügung zu stellen. Wie habt ihr das organisiert?

Nancy Noack: Wir haben mit einer Futterraufe für alle Pferde angefangen, dann aber festgestellt, dass es besser ist, mehrere Futterstellen zu haben und auch das Wasser in einiger Entfernung zum Heu bereitzustellen. So müssen die Pferde sich mehr bewegen und es kommt weniger häufig zu Futterneid. Wir haben eine große Alu-Heuraufe gekauft und zusätzlich noch selber welche gebaut. Denn diese müssen verschiedene Anforderungen erfüllen, so unter anderem, dass die Abstände zwischen den Stangen groß oder klein genug sind, so dass die Pferde nicht mit einem Huf darin hängen bleiben. Oder dass man Heunetze darüber spannen kann, so dass gewährleistet ist, dass der Heuballen eine gewisse Zeit hält und die Pferde sich Zeit lassen beim Fressen. Wir müssen natürlich auch darauf achten, dass die Pferde bei dem ständigen Futterangebot nicht zu dick werden – bei der einen oder anderen leichtfuttrigen Rasse trennen wir die Tiere daher für einen gewissen Zeitraum ab, damit sie nicht zu dick werden. Auch da arbeiten wir an einer Lösung, wie wir für ein paar Stunden die Futterraufen absperren können. Der Wunsch bestand bei unseren Einstellern schon vor ein paar Jahren, die klassische Heufütterung mit einer Mahlzeit morgens und abends abzuändern und den Pferden auch ganztags auf dem Paddock das Fressen zu ermöglichen. Erfreulicherweise zeigten sich auch schon Verbesserungen bei ehemaligen Kolikpferden, und auch bei einem Pferd mit Kotwasser, wurde das in den letzten zwei Jahren deutlich weniger.

JH: Wie finanziert ihr das alles?

Nancy Noack: Die Besitzer sind natürlich bereit, die Kosten für diese Haltung mit insgesamt 350 Euro im Monat zu tragen. Das macht es uns dann möglich so eine Haltung anzubieten und in Neuerungen wie die Futterraufen oder einen neuen Hallenboden zu investieren. Insgesamt versuchen wir immer, einzelne Baustellen neben dem Tagesgeschäft anzugehen – das ist oft eine Mammutaufgabe, da dies ja alles ehrenamtlich passiert, aber lohnt sich in jedem Fall. Der Austausch zwischen den Vereinsmitgliedern ist sehr rege, auch neben der monatlichen Vorstandssitzung im kleineren Kreis. Ich finde es gut, dass hier unterschiedliche Leute zusammenkommen, die die Punkte aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Nur so lassen sich die anstehenden Aufgaben bewältigen und Probleme lösen. Einmal im Jahr haben wir eine Mitgliederversammlung in der großen Runde, ansonsten versuchen wir, viele Informationen über Email-Newsletter zu verbreiten.

JH: Wie funktioniert das mit dem Reitunterricht im Verein?

Nancy Noack: Wir haben vier Vereinspferde, auf denen die Mitglieder Unterricht bei unseren Trainern nehmen können. Alle Schüler reiten bei uns frei und bekommen einen individuellen Unterricht, bei dem sie geschult werden, auf dem Pferd selber Entscheidungen zu treffen. Neben dem Reiten gehört dazu auch die Weiterbildung am Kappzaum, Bodenarbeit und Bewegungslehre. Wir möchten zeigen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, mit dem Pferd zu arbeiten als einfach nur drauf zu sitzen. Neulich erst hatte ich ein Kind, das nach einer Stunde Bodenarbeit ganz fröhlich war, weil es merkte, wie entspannt das Reiten auf einmal ging nachdem. Diese Ruhe aus dem Schrittlaufen mit dem Pferd am Boden und der Beschäftigung hatte das Reitkind schließlich mit aufs Pferd genommen – das war ein super Aha-Effekt für mich wie auch für die Reitschülerin! Ich sehe das auch als perfekte Vorbereitung für Menschen, die sich später mal selber ein Pferd kaufen möchten. Denn verletzt sich das Pferd, muss man wissen, wie man es ohne Reiten gut bewegen und beschäftigen kann.

JH: Was kostet es, wenn man bei euch reiten lernen will?

Nancy Noack: Der Vereinsbeitrag beträgt momentan 13,50 Euro im Monat, dazu kommen 61 Euro für Reitstunden. Das hört sich etwas teurer an als bei anderen Reitangeboten aber man muss wissen, dass alle unsere Vereinspferde nicht mehr als zwei Stunden hintereinander am Tag unter den Schülern laufen und wir uns die Pferde langfristig gesund und gut ausgebildet erhalten wollen. Deswegen werden sie auch regelmäßig Korrektur geritten. Unser Ansatz beim Unterricht ist generell, dass wir den Leuten den Spaß am Reiten vermitteln wollen. Wobei unsere insgesamt fünf Reitlehrerinnen da natürlich auf den jeweiligen Ausbildungsstand Rücksicht nehmen. Außerdem soll auch das Pferd etwas davon haben, daher bieten wir Geländeritte nur für fortgeschrittene Reiter an. Insgesamt versuchen wir immer, Abwechslung ins Training von Reitern und Pferden zu bringen. Deswegen freuen wir uns, auch externe Kurse zu veranstalten – wer da eine Idee hat, kann gerne auf uns zukommen. Der nächste Kurs, bei dem auch Reiter außerhalb des Vereins mit ihren Pferden mitmachen können, findet vom 26.-28. August 2016 mit Michael Rohrmann statt. Darüber kann man sich auf unserer Facebook-Seite informieren.

 

JH: Was habt ihr sonst in Zukunft noch geplant?

Nancy Noack: Wenn wir es schaffen, möchten wir dieses Jahr wieder ein Sommerfest organisieren, zu dem auch alle Nachbarn des Hippo Sport Clubs kommen können. Des Weiteren wollen wir unser Angebot für Reitschüler erweitern und auch vormittags Unterricht oder Ausritte anbieten. Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal Reiterferien angeboten. Dies hat großen Anklang gefunden, sodass wir diesen Sommer auch wieder welche angeboten haben und sogar überlegen für die Herbstferien etwas anzubieten. Aktuell läuft auch gerade eine „Bambini-Gruppe“ an, bei der die kleinen Reiter auch die Möglichkeit haben, das Reiten und den Umgang mit den Ponys zu erlernen. Außerdem finden wir die Verbindung zwischen den Reitweisen spannend – durch den Auftritt bei der Partner Pferd mit Tanja Schulze haben wir gemerkt, dass wir gerne mehr in Kooperation zum Beispiel mit Westerntrainern und –reitern treten möchten. Ich persönlich finde es schade, dass es immer noch diese Distanz zwischen den Disziplinen gibt, obwohl doch vieles ähnlich ist und man voneinander lernen kann. Hier mehr Austausch anzuregen und weiter über den Tellerrand zu schauen, das ist auch etwas, das uns von anderen Ställen unterscheidet.

JH: Vielen Dank für das Gespräch und macht weiter so!

 

 

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