Frischer Wind auf Reiterhof Schloss Gundorf

Es ist nicht leicht, was sich Frank Eilenberger und Lydia Rühlmann, die neuen Pächter des Reiterhofes Schloss Gundorf, da vorgenommen haben. Seit April haben sie die Reitanlage mit den zugehörigen Wiesen auf 20 Jahre hin direkt vom Inhaber gepachtet, wollen sie im gehobenen Stil erhalten und dies mit einer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen kombinieren. Eine kleine Reitschule mit späterem Angebot für Ferienkinder soll den Plan abrunden. Im Vordergrund stehen dabei für das Paar die artgerechte Haltung der Pferde und die Nutzung durch Reitschüler unter der Philosophie „Weniger ist mehr“. „Unser Ziel sind lockere, ausgeglichene Schulpferde. Deswegen nehme ich nie mehr als drei Schüler in die Stunde hinein.“, sagt Lydia Rühlmann. Die gelernte Pferdewirtin gibt auf ihren drei eigenen Pferden Unterricht für interessierte erwachsene Wieder-Einsteiger und Kinder. Feste Reitzeiten gibt es keine, die Lehrstunden erfolgen nach individuellen Absprachen mit den Schülern. Die Einzelstunde kostet 20 Euro, in der Gruppe mit zwei Mitreitern zahlt man 18 Euro. Eine Reitschülerin, die zum ersten Mal bei Lydia Rühlmann im Unterricht war, berichtet uns, dass mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen gearbeitet wird. Das Pferd sei gut ausgebildet, lief entspannt und habe Unsicherheiten der Reiterin ausgeglichen. Die nächste Stunde wurde bereits vereinbart, auch das ganz unkompliziert.

Einige Neuerungen

Wenn alles gut läuft, sollen noch zwei weitere Pferde für den Unterricht hinzukommen. Auch geführte Ausritte in den nahen Auwald sind geplant. Aber erst einmal sind die beiden Hofbetreiber damit beschäftigt, den Pferdepensionsbetrieb auf Vordermann zu bringen. Die erste eigene Heuernte haben sie schon erfolgreich hinter sich, wie Frank Eilenberger stolz berichtet: 200 Rollen lagern in den Stallungen. Auch die Koppeln sind neu angelegt und umzäunt worden. Die 34 Pferdebesitzer, die aktuell auf der Gundorfer Anlage ihre Vierbeiner untergebracht haben, freuen sich über den „frischen Wind“, der nun weht. Denn Frank Eilenberger nimmt sich Zeit, um die ein oder andere Neuerung zu erklären, bevor sie umgesetzt wird – beispielsweise, dass die Pferde viermalig im Jahr entwurmt werden statt nur zweimal. Dafür gibt es einmal im Monat einen Stammtisch, bei dem sich alle Pensioner mit dem Stallchef treffen. Der sagt: „Ein gutes Stallklima ist mir wichtig. Man muss gelassen bleiben im Umgang mit den Einstellern. Die Basics müssen natürlich stimmen.“

Reitpension – gehoben aber nicht abgehoben

Die Basics – das ist die dreimalige Fütterung der Pferde am Tag mit Hafer und Mineralfutter sowie Heu. Von früh um sieben bis elf Uhr werden sie von Lydia Rühlmann und einer weiteren Mitarbeiterin auf die großzügigen Koppeln gebracht – entweder in die gemischte Herde oder in eine Herde mit ausschließlich Wallachen, die weniger artgerechte Einzelhaltung wird nur noch in Ausnahmefällen praktiziert. Wegen der Mücken und anderer Plagegeister werden die Pferde im Sommer mittags von den Wiesen geholt und auf Paddocks gebracht. 14 Uhr geht’s dann zurück in die Boxen, welche entweder im Hauptstall innenliegend für 380 Euro zu haben sind oder mit Fenster für 395 Euro oder als geräumige Außenboxen mit eigenem Zugang für 435 Euro. „Das sind Komplettpreise, es entstehen keine Zusatzkosten für die Besitzer. Nur Extrawünsche wie das Eindecken der Pferde im Winter oder Späne als Einstreu in der Box kosten einen Aufschlag.“, erklärt Frank Eilenberger.

Mit der stadtnahen Lage und der gehobenen Ausstattung – große und kleine Reithalle, zwei Außenplätze, Führkarussell und Pferdeschwemme – wird hier durchaus etwas für den Preis geboten. Die Adresse des Stall Gundorf findet ihr in unserer "Gewusst wo" Rubrik. Gerade die Lage direkt am restaurierten Schloss mit idyllischem Park wirkt märchenhaft-idyllisch. Hier kann man schon mal ins Träumen geraten – trotzdem bleibt Frank Eilenberger realistisch. „Als Inhaber einer Verpackungsfirma bin ich glücklicherweise nicht gezwungen, von dem Hofbetrieb leben zu müssen. Das würde auch gar nicht funktionieren – aber unser Ziel ist es, dass der Hof sich irgendwann bei voller Auslastung selber trägt. Momentan können wir noch gut 20 Pferde mehr unterbringen. Die Reiter haben viele Freiheiten bei uns, können ihre Trainer mitbringen oder Lehrgänge in der großen Halle durchführen. Wir sind auch offen für Fremdreiter, diese können die Reithalle für zehn Euro mit nutzen.“ Die Belegung der Halle soll auch bald auf der neuen Homepage des Hofes einsehbar sein.

Blick nach vorn

Ob das neue Konzept für den Reiterhof Gundorf aufgeht, bleibt abzuwarten. Zuzutrauen ist es den beiden Pionieren, denn neben dem landwirtschaftlich-fachlichen Hintergrund, den Lydia Rühlmann mitbringt, kann Frank Eilenberger aus seinem reichen Erfahrungsschatz als langjähriger Einsteller schöpfen. Seit den 90er Jahren reitet er freizeitmäßig und besitzt selber Pferde, daher kann er sich sehr gut in die Perspektive seiner Pensionskunden hineinversetzen. Seit 2006 hat er seine Pferde in Gundorf stehen und somit auch die schwierigen Zeiten live miterlebt, wie er uns berichtet. „Wir haben jetzt viel aufzuholen und Vertrauen zurückzugewinnen, das enttäuscht wurde. Das ist nicht einfach aber wir sind zuversichtlich, den Hof wieder als gute Adresse in Leipzig und Umgebung zu etablieren.“

 Wir wünschen ihm und seiner Partnerin viel Erfolg und werden sicher ab und an wieder in Gundorf vorbeischauen!

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