Das Auge - wie sehen Pferde eigentlich?

Obwohl das Pferdeauge ähnlich wie das Auge des Menschen aufgebaut ist, nimmt es die Welt ganz anders war. So sind Pferde zum Beispiel zum größten Teil einäugig, das heißt, dass jedes Auge sein eigenes Bild zeichnet. Somit haben Pferde einen wesentlich größeren Sehbereich als wir Menschen, besitzen dabei allerdings weniger Tiefenschärfe und sind auch in der Abschätzung von Entfernungen wesentlich schlechter als wir.

Sehen Pferde farbig?

Pferde sehen farbig, denn Pferde nehmen mit ihren Sinneszellen (Zapfen) Farben wahr - allerdings nicht die ganze Farbvielfalt des Menschen. Menschen besitzen 3 Zapfen zur Farberkennung und mischen aus den 3 Grundfarben alle anderen Farben. Pferde besitzen hingegen nur 2 Zapfen. Die Spektralbereiche entsprechen in etwa den Farben Blau & Gelb. Für Pferde ist der Kontrast besonders wichtig bei der Unterscheidung verschiedener Farben. Vor allem auf grelle Farbmarkierungen am Boden, dunkle Schatten oder Lichtreflexe reagieren Pferde oft empfindlich - das liegt daran, dass sie sie einfach besonders gut sehen. Pferde gewöhnen sich an Farben und Kontraste, deshalb sollte man schon beim Training mit Jungpferden behutsam mit der Gewöhnung beginnen. Gerade beim Stangentraining sollte man eher auf mit kräftigen Farben gefärbte Stangen zurückgreifen, denn Stangen in Naturtönen unterscheiden sich kaum vom Boden und sind für Pferde kaum wahrzunehmen. Außerdem ist die Platzierung des jeweiligen Objektes ein wichtiger Punkt bei der Farberkennung - dies liegt an der Anordnung der Sinneszellen im Auge, schließlich nähern sich Raubtiere eher am Boden an und werden somit auch dort am intensivsten wahrgenommen.

Wie gut sehen Pferde bei Dunkelheit?

Pferde sehen in der Dunkelheit und in der Dämmerung hervorragend, dies belegen die veröffentlichten Studien von Forscherin Evelyn Hanggi und Jerry Ingersoll. Alle ihre Testpferde waren in der Lage geometrische Abbildungen bei Dämmerung und in der Dunkelheit zu erkennen. Beeindruckend ist, dass bei Lichtverhältnissen, in denen der Mensch nahezu nichts mehr erkennt, alle Pferde geschickt Hindernissen auswichen (Quelle: Konstanze Krüger: Das Pferd im Blickpunkt der Wissenschaft. Xenophon Verlag, 2010, ab S. 67.).Solltet ihr euch also doch mal verreiten und erst mit eintretender Dunkelheit wieder zum heimatlichen Stall zurückfinden, so lohnt es sich, auf diesem Weg seinem Pferd und dessen Augen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Bei Lichtverhältnissen, die sich schlagartig ändern, wie z.B. beim Ein- und Ausschalten des Stalllichtes, benötigen Pferde allerdings eine deutlich längere Adaptionszeit als das menschliche Auge. Von hell zu dunkel dauert die Anpassung beim Pferdeauge ca. 30 Minuten und bei dunkel auf hell nur etwa eine Minute (Quelle: Dr. Gerry M. Neugebauer und Julia Karen Neugebauer: Lexikon der Pferdesprache. Eugen Ulmer KG, 2011, S.18).

In einem sind uns Pferde jedoch deutlich unterlegen und das ist die Sehschärfe - ein dünner Draht ist für das Pferdeauge nur schlecht bis gar nicht wahrnehmbar. Die Linse des Pferdeauges besitzt weniger Flexibilität als die des Menschen und kann dadurch die Sehschärfe schlechter einstellen. Unsere Pferde haben allerdings die Möglichkeit, diesen Nachteil körperlich auszugleichen, indem sie ihren Kopf zum Fokussieren viel flexibler bewegen können. Außerdem ist es ihnen möglich, mehrere Dinge gleichzeitig scharf zu sehen. Auf weitere Distanzen ist das Auge unserer Pferde auf sich horizontal bewegende Objekte spezialisiert, herabfallendes Laub z.B. wird vom Pferdeauge kaum wahrgenommen.

Warum Pferde Objekte mit beiden Augen betrachten sollten?

Neuere Studien weisen auf emotionalen Hintergrund hin, wenn Pferde mit jedem Auge unterschiedlich auf das gleich Gesehene reagieren. Pferde verarbeiten Gesehenes in der linken Gehirnhälfte anders als in der rechten Gehirnhälfte, wobei der Transport von einer zur anderen reibungslos funktioniert. Um Gesehenes richtig emotional und rational einordnen zu können, müssen Pferde es mit beiden Augen sehen können. Forscherin Evelyn Hanggi trainierte verschiedenste Pferde auf die Unterscheidung verschiedener Objekte mit jeweils einem verbundenen Auge. Als sie danach das andere Auge verband, konnte auch das ungeübte Auge die zuvor bereits erlernten Objektunterscheidungen anwenden (Quelle: Konstanze Krüger: Das Pferd im Blickpunkt der Wissenschaft. Xenophon Verlag, 2010, ab S. 69)!
 
Pferde sehen fast alles um sich herum, zum größten Teil sehen sie also monokular, das heißt mit einem Auge. Direkt vor dem Pferdekopf - also dort, wo sich die beiden Sichtfelder der Augen treffen, sehen Pferde binokular oder auch dreidimensional. Ein kleiner toter Winkel befindet sich direkt hinter der Hinterhand im Körperschatten und auf der Pferdestirn.
Im täglichen Umgang, beim Ausritt oder beim Training können uns diese Erkenntnisse aus der Wissenschaft helfen, so manches Gespenst gemeinsam mit unserem Pferd zu vertreiben. Viel Spaß mit euren Fellnasen!
 
 

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