Bewegungstrainer Michael Rohrmann zu Gast in Leipzig

Im September waren wir im Hippo Sport Club am Elsterbogen zu Gast, um uns den Reitkurs mit Bewegungstrainer Michael Rohrmann anzuschauen. Tanja Schulze, Bewegungstrainerin nach Eckart Meyners, hatte ihren Kollegen nach Großzschocher eingeladen und neun Teilnehmerinnen waren mit ihren Pferden dabei. Seit 2012 tauschen sich die beiden Reittrainer fachlich aus und besuchen sich gegenseitig, um ihr Wissen weiterzugeben.

Wir waren sehr gespannt, denn Michael Rohrmann ist kein Unbekannter in der Pferdeszene. Als Vertreter von Xenophon e.V. und Richter sowie Parcourschef bis Klasse S gehört er gemeinsam mit seinem Freund und Weggefährten Eckart Meyners zu den Vordenkern im pferdefreundlichen Reiten in Deutschland. Seine Philosophie orientiert sich daran, dass wir Menschen nicht als Reiter geboren werden, sondern erst fleißig daran arbeiten müssen, unsere Balance auf dem Pferd in unterschiedlichen Bewegungen zu finden. Der Reiter soll das Pferd möglichst wenig stören und auch seine eigenen Stressreaktionen beachten, die einen Einfluss auf die Harmonie und Losgelassenheit beim Reiten haben können.

Wie schaut das nun konkret aus, wenn Michael Rohrmann einen Kurs leitet? Unser Fazit: Vor allem entspannt! Selten haben wir Reiter so häufig lächeln und lachen sehen, wenn Fehler gemacht wurden oder es Unstimmigkeiten zwischen Pferd und Reiter gab. Frei nach den Grundsätzen "Fehler sind menschlich" und "Hab Vertrauen in dein Pferd" machte Michael Rohrmann die Teilnehmer des Kurses zwar darauf aufmerksam, was noch nicht klappt, aber legte gleichzeitig viel Wert darauf, dass sie verstehen warum. Und auch, dass es Zeit braucht, um besser zu werden.

"Lass dir Zeit!", wird er an den zwei Tagen, die der Kurs dauerte, noch häufig sagen. Aber auch er selbst nimmt sich viel Zeit für die Reiter, hört zu und lässt sich die Vorgeschichte eines jeden Pferdes erzählen. Während zwei Reiter auf dem Platz von ihm unterrichtet wurden, machten sich die anderen auf dem Boden warm. Denn auch das gehört zum Konzept des "Reitens mit System" - man soll locker und beweglich aufs Pferd steigen. Tanja Schulze führte dazu mit den Teilnehmerinnen verschiedene Übungen im Liegen und Sitzen durch, um die steifen Gelenke wieder in Schwung zu bringen und den Alltagsstress zu vergessen.

Die Probleme, die die Reiterinnen ihm schilderten, nahm Michael Rohrmann sehr ernst und versuchte, gleich daran zu arbeiten. So rollte sich beispielsweise der Wallach Da Capo unter seiner Reiterin gerne mal ein und ließ sich nur schwer vorwärts reiten, was auf lange Sicht zu Rückenproblemen bei dem Sportpferd führte. Michael Rohrmann arbeitete gemeinsam mit der Besitzerin daran, den Schwung des Pferdes wieder zu entwickeln - und zwar hauptsächlich durch Reiten am langen Zügel. Anhand von Schritt-Trab-Übergängen zeigte er, wie ein Durchparieren ohne Hand und Antraben über kurze, impulsartige Hilfen dem Pferd wieder zu mehr Entspannung verhelfen kann. Von außen betrachtet wirkte der Wallach schon beim Beginn des Trainings sehr relaxt, ließ sich von der fremden Umgebung und den anderen Reitern und Pferden überhaupt nicht stören. Aber anscheinend ist Da Capo ein eher introvertiertes Pferd und reagiert sehr fein schon auf die kleinste Anspannung seiner Reiterin. Deswegen war Michael Rohrmanns Empfehlung: Weich in der Hand bleiben! Nachgeben! Und vor allem: Zeit lassen! Nach konzentrierteren Einheiten, in denen an der Kurzkehrtwendung gearbeitet wurde, gab es für Reiterin und Pferd konsequent regelmäßige Pausen am langen Zügel.

Nachdem er etwas erklärt hatte und die Reiter dies umsetzten, fragte Michael Rohrmann zwischendurch immer wieder nach, was gerade geritten wurde und warum. So überprüfte er, ob seine Tipps nicht nur gehört, sondern auch verstanden worden sind. Die Wirkungen des richtigen Reitens auf das Pferd zeigte er aus biomechanischer Sicht direkt am Objekt - ebenso wurde die Wirbelsäulenmuskulatur der Reiterin analysiert, während sie auf dem Pferd saß. Denn erst, wenn der Körper des reitenden Menschen im Gleichgewicht ist, kann man an den Problemen des Pferdes arbeiten, so seine Philosophie.

"Dabei ist es wichtig, dass der Reiter sich bewegen darf und nicht in eine strenge Form gepresst wird.", sagt Michael Rohrmann. Das oft eingefahrene System zu verlassen, könne vielen Reiter-Pferd-Paaren helfen, hat der Bewegungstrainer festgestellt. Dafür müssten die Reiter aber wieder neugieriger werden und auch bereit sein, Fehler zu machen. So war es bei Da Capo offensichtlich, dass er und seine Reiterin auf hohem Niveau ausgebildet sind. Die Grundlage beim Reiten sei zwar ein korrekter Sitz, das mentale Gleichgewicht ist jedoch mindestens genauso wichtig. "Wenn ich vom Kopf her nicht entspannt bin, sondern die ganze Zeit daran denke, was gerade schief läuft, lerne ich nicht nachhaltig.", sagt Michael Rohrmann. Er versucht daher, seine Schützlinge beim Training zu mehr Mut zu motivieren: "Sei frech und probier einfach mal! Was soll schon passieren?"

Nach seinen eigenen Vorbildern in der Reitlehre befragt, nennt Michael Rohrmann Gustav Steinbrecht mit dem "Gymnasium des Pferdes" und Kurt Albrecht mit seiner Dressurlehre. Letzterer wusste schon: "Jeder Reiter ist ein Individuum" - und das ist auch einer der Grundsätze, nach denen Michael Rohrmann unterrichtet. Er will den Reiter zur Selbstständigkeit erziehen, nicht zum Schatten des eigenen Trainers. Spielerische Elemente sind ihm im Training daher genauso wichtig wie der Respekt vor dem Pferd und dem Reiten an sich. "Eine meiner Lieblingsübungen ist das Reiten mit einem Ohr auf der Schulter. Es sieht vielleicht albern aus aber man bekommt so wieder mehr Gefühl fürs Pferd. Leider trauen sich die Schüler heutzutage manchmal weniger, solche Sachen auszuprobieren. Das Vertrauen zum Trainer fehlt, die Reiter sind einen eher anweisungsorientierten Unterricht gewöhnt. Das ist oft schade.", resümiert der Reitlehrer, der im nächsten Jahr sein 35-jähriges Karriere-Jubiläum feiert.

Zeit seines Lebens bildet Michael Rohrmann nicht nur Reiter und Pferde aus, sondern auch sich selbst beständig weiter: Als nächstes fliegt er nach Amerika, um einen Westernreitkurs bei Lester Buckley zu besuchen. "Im Horsemanship lernt man nie aus!", sagt er augenzwinkernd zum Abschied. Und wir glauben es ihm aufs Wort!

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Den nächsten Kurs von Michael Rohrmann werden wir direkt vom Pferderücken aus erleben und mit Dynamic selbst dabei sein. Ihr habt auch Lust bekommen? Vom 26.-27. Februar 2016 ist Michael Rohrmann wieder im Hippo Sport Club zu Gast. Anmelden könnt ihr euch für den Kurs per Mail an: bewegungstrainer-em@web.de

Geritten wird diesmal an 2 Tagen, Dressur in 2er Gruppen, Springen in 3er Gruppen. Wer gerne ein reines Bewegungstraining haben möchte, kann das auch als Einzelstunde buchen. Insgesamt kostet der Kurs voraussichtlich 120,- Euro, Hallennutzung und eventuelle Unterkunft fürs Pferd nicht einberechnet.

Weitere Infos dazu findet ihr zeitnah auf der Internet-Seite des Hippo Sport Clubs.

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