Aragon, ein königlich-portugiesisches Ross

Der Vormittag am Tag des Ausrittes verstrich in unserer kleinen Finca in Brèjao wie im Flug. Man kann sehr, sehr lange in einer Hängmatte liegen, inklusive Buch und eisgekühltem Getränk, grins.

Das Abenteuer beginnt

15 Uhr - Auf, auf zu Chris und seinen vierbeinigen Freunden. Eine abenteuerliche Autofahrt mit unserem Mietwagen quer durch den portugiesischen Busch beginnt, immer den gelben Schildern mit dem blauen Hufeisen folgend... Plötzlich, rechts und links wunderschöne große Koppeln mit glücklichen Steppentieren - dass Pferde hier mehr als nur Sportgeräte sind, wird einem bei dieser Wild West Kulisse sofort klar. Ein romantischer Blick zu den vom Schatten der Bäume umspielten Portugiesischen Vierbeinern. Waren die schön!

Foto by Sanni Weber PhotographySchnell noch die Flip-Flops gegen festes Schuhwerk getauscht, begleitet von einer liebevoll-stürmischen Begrüßung des Hofhundes. Anschließend die warme und herzliche Begrüßung von Chris und seiner Begleitung Stella. Bewaffnet mit einem Strick folgte ich den beiden zu den Vierbeinern auf die weite Koppel, wo sie im Herdenverband Tag und Nacht zusammen leben.

Aragon, ein braves Pferd

Ein braves Pferd sollte es für den Ausritt sein, hatte ich Chris gesagt. Und da stand er, Aragon, ein Fuchs, der nicht nur sonnige Tage in seinem Leben erleben durfte. Durch die geduldige Arbeit und das liebevoll-konsequente Training nach der Methode des Natural Horsemanship von Chris und seinem Team stand ein offenes und freundliches Pferd an diesem Tag vor mir. Gemütlich wurde geputzt, gesattelt und getrenst. Es folgte eine kurze aber liebevolle Einweisung in die Westernreitweise - Beine weg, Zügel lang - Zügel nur als letzte Konsequenz, Bremsen mit der Stimme - das ist meine noch kürzere Zusammenfassung.

Geheime Angstbewältigung

Foto by Sanni Weber PhotographyDrei Zweibeiner und drei Vierbeiner brachen nun auf, vorbei an blühenden Wiesen, über die eine leichte Atlantikbrise hinwegstrich. Es folgte mein persönliches Abenteur und die Bekämpfung innerer Ängste. So ein „Hang“, auch Schlucht genannt, war für einen Leipziger Flachländer „nen echtes Ding“. Hätte ich gekonnt, ich wäre geflohen - perfektes Fluchttier eben, kreidebleiches Lächeln. Zaghaft aber vertrauensvoll ritt ich hinter Chris her und gab meinem treuen Begleiter Aragon die Zügel hin - er meisterte den sehr steinigen Gebirgsfad absolut souverän, so dass mit jedem Schritt meines Wegbegleiters der Kloß in meinem Hals kleiner wurde, dafür Danke!

Die Höhenunterschiede überwunden und die Gesichtsfarbe wieder erlangt, folgten wir einem kleinen Pfad im Schatten der Eukalyptusbäume, immer an einem kleinen Bach entlang. Die Region ist bekannt für ihren Vogelreichtum. Außerdem können in Fluss und Bach Schildkröten und Krebse bewundert werden - vor uns hatten sie vielleicht etwas Respekt, räusper.

Auf kleinen romatischen Lichtungen galoppierten die Reiter mit ihren Pferden freudig voran, ein Bach wurde durchquert und es ging im Schritt vorbei an freien Kühen, die in den Wäldern zwischen den alten Korkeichen mit ihren Glocken ein einsames Siesta-Lied spielten.

Immer ein offenes Ohr

Das Abenteur wurde von Chris' freundlich-motivierenden Worten begleitet, der jederzeit ein offenes Ohr für seine beiden Mitreiter hatte. Es wurde gelacht und gestaunt, es gab Senfpflanzen und Wildbrombeeren zu sehen und zu spüren - jede Menge stachelige Andenken auf meinem Unterarm... Die 1,5 Stunden verstrichen wie im Flug. Der steile Hang auf dem Heimweg wurde im Sturm gemeinsam erklommen.

Mit einem leisen „Dankeschön“, einem sanften Streicheln über seinen Kopf und einer Möhre wurde mein königliches Ross Aragon wieder in die Weiten der heimischen portugiesischen Wiesen entlassen.

Einen Ort zum Wohlfühlen und Träumen haben sich Chris und seine Lieben hier geschaffen, genau der richtige Ort für eine besondere Auszeit.

www.algarvetrail.com

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